Angst ist Teil des Systems - aber das System ist veraltet

Liebe Kirchengemeinde in Altensteigdorf, Überberg und Berneck,

ich denke an sie und bete für sie, gerade jetzt, wo wir uns unter normalen Umständen bei der Gemeindewoche begegnet wären.



Ich habe einen Text geschrieben - gegen die Angst, die auch unter Christen umgeht.


Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft, Bewahrung, gute Nerven.

Und trotz allem einen gesegneten Sonntag Lätare.

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie

Friedemann Fritsch

 

Angst ist Teil des Systems - aber das System ist veraltet

Angst kommt von dem Wort Enge. Das Gefühl der Angst breitet sich aus, wenn es "eng" wird im Leben. 

Das geht oft einher mit einem physisch spürbaren Gefühl der Enge im Körper, man kann kaum noch atmen. 

Eng wird es, wenn ich mich meiner Möglichkeiten und Freiheiten beraubt sehe.

Eng wird es, wenn Sicherheiten, auf die ich mich immer verlassen konnte, wegbrechen.

Eng wird es, wenn andere plötzlich meinen Lebensraum bedrohen, wenn ich in ihnen nur noch Feinde sehe, die mich anstecken könnten. Oder Rivalen, die im Supermarkt die Regale leerräumen, bevor ich es tun kann.

Eng wird es, wenn ich alleine zuhause sitze, weil niemand mehr kommen will oder kommen darf. 

Wenn ich immer öfter darüber nachdenke, mit wem ich in den letzten Tagen Kontakt hatte, und mir dann die abenteuerlichsten Phantasien ausmale, wie "ES" mich angesteckt haben könnte.

Insofern ist die gesellschaftliche Situation in unserem Land der ideale Nährboden für Angst und angstgesteuertes Verhalten. 

Angst ist aus Sicht der Psychologen, aber schon viel länger auch aus Sicht der Bibel Teil eines Systems, das die Bezeichnung "Welt" (griechisch: Kosmos) trägt.

"Welt" ist nicht die von Gott gewollte und ins Leben gerufene Schöpfung.

"Welt" ist ein Machtgefüge, welches versucht, sich der Schöpfung, der Menschen, ihrer Gedanken und Gefühle zu bemächtigen. 

Und das geschieht im Wesentlichen mit zwei Mitteln:
Mit der Versuchung (du kannst alles haben) und mit dem Schrecken (du musst sterben, und dann ist alles vorbei).

In der Welt habt ihr Angst, das sagt Jesus nicht zu Fremden, sondern zu seinen Jüngern, zu Leuten, die ihm nachfolgen.

Jesus sagt das nüchtern und ohne jeden Tadel.

Denn mit der Geburt eines Menschen beginnt das Leben auf der Welt, das Dasein in einem Raum, den ein Säugling schon ganz am Anfang als "eng" und beängstigend erlebt.

Man hat herausgefunden, dass jeder Mensch im Augenblick seiner Geburt Todesängste aussteht, die sich traumatisch ins Unterbewusstsein eingraben. Nicht der Mutterleib, in dem ich Wärme und Geborgenheit erfuhr, sondern die "Welt" ist der Ort, an dem es eng und immer enger wird, und zwar schon durch den ganz natürlichen Prozess des Alterns und Vergehens. Ich habe (hoffentlich) eine schöne Zeit des Jungseins, der Entfaltung, der Reife und der Kraft. Aber ich werde älter, und eines Tages werde ich dort sein, wo ich mich - körperlich, aber vielleicht auch geistig - gar nicht mehr bewegen kann. Das ist der Zeitpunkt meines Sterbens.

Die Menschen sind also in gewissem Sinne auf Angst geeicht, davon geprägt und dafür empfänglich. 

Und doch macht Jesus deutlich, dass es sich bei der Angst nicht nur um eine existentielle Veranlagung handelt. Sondern auch um eine System-Frage, genauer, um eine Macht-Frage.

Angst kann und darf ich haben, solange ich in der Welt lebe. Aber ich muss diese Angst nicht über mich herrschen lassen. Denn Jesus hat durch sein Kommen und Wirken das "System Welt" überwunden.

Es ist vorbei mit der Übermacht der Versuchung, die mich von einem Genuss zum anderen trieb.

Es ist vorbei mit der Übermacht der Angst, die mich krampfhaft an allem festhalten ließ, was mir Sicherheit und Leben versprach. 

Seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Und das möchte ich allen Christen weitersagen.

Angst könnt und dürft ihr haben, solange ihr lebt, auch Angst vor einer Pandemie mit dramatischen Folgen, auch Angst vor Krankheit und Tod.

Nur wenn die Angst Euer Denken und Handeln und auch den Glauben beherrscht, dann seid ihr ernsthaft bedroht.

Das System "Welt" möchte gerade Christen in seine Abhängigkeit bringen, es möchte uns beeindrucken, einschüchtern, Unruhe stiften. 

Es möchte unseren Blick und unser Herz von Jesus wegziehen.
Und das darf und das muss nicht passieren, wenn ich für mich die Prioritäten kläre. 

Gesundheit ist wichtig, ja. Noch wichtiger ist es, dass ich nicht durch leichtsinniges, egoistisches oder unüberlegtes Verhalten andere Menschen gefährde.

Aber noch unendlich viel wichtiger ist das Aufsehen auf Jesus, das Verbundensein mit ihm, das Hören auf sein Wort.

Und damit verbunden der Blick für die Bedürfnisse anderer Menschen. 

Alle Welt denkt jetzt vor allem an sich selber. 

Jesus sagt unmissverständlich: Ihr sollt das nicht tun. 

Ihr sollt an die denken, die in Not sind, die mich nicht kennen, die keine Hoffnung haben. Und vielleicht niemanden, der sie mal anruft.

Viele in unserem Land handeln verantwortlich und vernünftig. Unsere Politiker unterscheiden sich in wohltuender Weise von ihren Kollegen in anderen Ländern. Verschwörungstheorien halte ich, mit Verlaub gesagt, für schwachsinnig und leichtsinnig. 

Aber es gibt eine Macht, die im Augenblick wahre Triumphe feiert, vor der selbst die Kirchen sich zurückziehen, indem sie tun und sagen, was alle anderen auch tun und sagen.

Und dieser Macht möchte ich im Namen Jesu widersprechen und suche Menschen, die das mit mir tun.

Konkret: Schreiben Sie einen Brief an Menschen in Ihrer Umgebung (ein Beispiel habe ich angefügt).

Denken Sie dabei auch an die sogenannten Ungläubigen, an Menschen aus anderen Ländern und Kulturen.

Bieten Sie an, zu beten, zu sprechen, zu helfen.

Ängste müssen ausgesprochen werden, vor Gott gebracht werden.
Und wo sie sich aufblähen, da müssen sie entlarvt und im Namen Jesu entmachtet werden.

Ich schaue an diesem 21. März aus meinem Fenster: es schneit auf Narzissen und Krokusse. Der Frühling wird kommen, das Jahr wird kommen und vergehen. Auch mein und Ihr Leben wird kommen und einmal zuende sein, selbst wenn wir vom Virus verschont bleiben.

Aber Jesus Christus ist der Herr, lebendig, wachsam, machtvoll steht er über allen Mächten.

Die Zukunft liegt in seinen Händen, und deshalb ist sie hell.

Nichts und niemand wird verhindern, dass er wiederkommt.

Alles, was sich ihm entgegenstellte, wird schreiend die Flucht ergreifen.

Auch die Angst.

Pfarrer Dr. Friedemann Fritsch
Studienleiter im Albrecht-Bengel-Haus

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