Predigt für den 26.12.2020 - Jesus gibt Perspektive

Predigt zu Hebräer 1, 1-4: Jesus gibt Perspektive – auch über Weihnachten hinaus!

 

Liebe Schwestern und Brüder in Altensteigdorf und Berneck! 

„Alles, was Du brauchst, ist Mut, Mut zur Veränderung!“

– So singt es Xavier Naidoo in seinem bekannten Lied. Das ist gerade das, was wir dieses Jahr besonders brauchen: MUT – auch MUT zur Veränderung – MUT, mit der veränderten Lage – dem Lockdown, der in Deutschland seit dem 16. Dezember herrscht, umzugehen! Der Einzelhandel musste schließen, die Gastronomie ist seit fast zwei Monaten geschlossen, die Schulen mussten letzte Woche zu machen – und jetzt dürfen wir nicht einmal Weihnachten in der Kirche feiern im Landkreis Calw wegen der hohen Inzidenzzahlen.  Dies ist wahrlich keine schöne und hoffnungsvolle Perspektive und hat uns in letzter Zeit sicher den einen oder anderen Nerv geraubt. Um andere MUT zuzusprechen, habe ich mit meiner neunten Klasse vor Weihnachten ein kleines Projekt gemacht: Jeder sollte einem Mitschüler, dessen Name er gezogen hat, eine kleine mutmachende Weihnachtskarte verfassen. Diese sollte den Schülerinnen und Schülern neuen MUT geben – auch in dieser veränderten Weihnachtszeit.

Und heute feiern wir Weihnachten, wo uns eine ganz neue Perspektive aufgeschlossen wird: Gott sendet Jesus, seinen Sohn höchst persönlich in unsere chaotische und gefallene Welt! WOW! 😊 – Das macht MUT – und möchte uns auch MUT machen, weiterzumachen und diesen MUT weiterzugeben! 

Jesus ist als Kind zu uns gekommen, wie auch wir selbst alle in die Welt gekommen sind. In der ärmlichen Krippe kam er zu uns. Und dann die Engel, deren Gesang bei den Hirten etwas von der himmlischen Herrlichkeit in der Welt aufscheinen lässt, die doch so ganz normal weiterzugehen scheint. Das Jesuskind und die Engel gehören zu Weihnachten, und doch kann dabei auch etwas ganz Entscheidendes falsch ankommen. Was? Ist es nicht ganz normal, dass Menschen als Babys geboren werden? Jedem von uns ging es genauso. Ist also die Geburt eines Kindes nach mehr als 2000 Jahren noch ein besonderer Grund zur Freude und für eine Feier gleich über mehrere Tage? Und ist es nicht etwas ganz Besonderes, Engeln zu begegnen?

Der Glaube an sie ist zwar inzwischen in manchen Kreisen wohl weiter verbreitet als der Glaube an Gott, und manche sagen auch, sie hätten Engel gesehen, aber kaum einer würde sagen, dass es alltäglich sei, Engeln zu begegnen. Da könnte man ja fast meinen, die Erscheinungen der Engel wären das eigentlich Besondere des Festes und das wäre wohl ein Missverständnis. Geht es beim Weihnachtsfest also nur um ein hilfloses Kind oder um die Engel?

Darum geht es in unserem heutigen Predigttext in Hebräer 1,1-4:

Gottes endgültiges Reden durch den Sohn

1 Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten,

2 hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welten gemacht hat.

3 Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollendet die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe

4 und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.

  • Die Hauptperson

Hier kommen die Engel sehr wohl vor – aber sie sind nicht die Hauptperson. Die Hauptperson ist Gott und sein Sohn. Gott hat in neuer und ganz besonderer Weise zu uns geredet durch seinen Sohn. Dieser Sohn wird hier nun anders beschrieben als in der Weihnachtsgeschichte. Gottes Sohn ist der Erbe über alles. Und durch ihn hat Gottes alles gemacht. Nichts gibt es ohne diesen Sohn Gottes. Alles, was wir hier sehen, alles, was wir überhaupt schon jemals gesehen haben, gehört oder geschmeckt haben, einschließlich uns selbst, das gibt es nur durch diesen Sohn Gottes. Bedenken wir das doch nur einen Augenblick, und dann spüren wir, wie großartig dieser Sohn sein muss. Er übertrifft bei Weitem diese ganze Welt, die es nur durch ihn gibt. Dieser Sohn Gottes und damit dieser unser Jesus ist größer als alles, was wir uns vorstellen können.

Und genau diese Perspektive, die uns Weihnachten in und durch Jesus bietet, gibt uns Hoffnung, gibt unserem Leben einen Sinn, eine Perspektive Zukunft und eine Perspektive Ewigkeit, denn dieser Jesus, dieser Sohn Gottes, der an Weihnachten in unsere chaotische und dunkle Welt kommt, möchte uns LICHT geben – auch in diesem scheinbar nicht endenden zweiten Lockdown.

Wir Menschen, das Leben, die Geschichte, alles ist auf ein großes Ziel hingelegt, auf die Vollendung in Jesus. Die Sonne, die das Leben wärmt, der Regen, der das Land fruchtbar macht, die Kinder, die im Sand spielen, das Leben in seinen Stufen und Phasen, alles zielt auf eine wunderbare Vollendung in Jesus. Nicht Corona, nicht Krankheit, nicht meine Probleme, nicht der Tod, sondern Jesus erbt das alles. Das ist eine ganz neue Aussicht für das Leben und Altern, das Ausreifen und Abschiednehmen, das Sterben und Auferstehen. JESUS wird einmal alles gehören. 

Dann ist es die einzige vernünftige Konsequenz, dass wir doch alles bewusst und willentlich in seine Hand legen. Unser ganzes Leben soll ihm jetzt schon gehören. Wir wollen sein Eigentum sein, mit ihm leben und lieben, leiden und kämpfen, sterben und auferstehen. Jesus erbt doch alles. Wie töricht wäre es da, ihm nicht zu gehören, um dann einmal im Gericht doch in seiner Hand zu sein. Jesus erbt doch alles. Die einen werden beglückt an seinem Herzen ruhen, die anderen beschämt zu seinen Füßen knien. Was ist uns lieber? Wir wollen Jesus schon hier freiwillig gehören, ihn lieben und ihm folgen, bis wir einmal bei ihm sein werden in einer neuen Welt und mit einem neuen Leib in einem neuen Leben. Denn „in dem Namen Jesu sollen sich beugen alle Knie, und alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters!“ (Philipper 2,18f)

  • Eine neue Zeit kommt

Und sein Kommen zu uns hat die Welt wirklich verändert. Vielleicht fragen Sie sich, ob es angemessen ist, dass wir gleich mehrere Tage lang Weihnachten feiern. Ist das nicht zu lang? Nein, das ist sehr passend. Denn mit Weihnachten damals ist eine neue Zeit angebrochen. Der Hebräerbrief spricht nämlich davon, dass Gott in den letzten Tagen zu uns gesprochen hat. Das heißt nicht, dass er vor ein paar Tagen zu uns gesprochen hätte, sondern in einem neuen Zeitalter, dem letzten Zeitalter.

Vor ihm war die Zeit, in der Gott durch die Propheten auf unterschiedliche Weise gesprochen hat, jetzt durch seinen Sohn. Seitdem ist er in seinem Sohn Jesus bei uns, in Jesus Christus ist er jetzt viel direkter bei uns. Dies hat mit Jesu irdischer Zeit begonnen, und seitdem ist Gott durch Jesus ganz, ganz nahe.

  • Eine neue Nähe

Diese Nähe kam nicht in einer ganz außergewöhnlichen strahlenden Engelsgestalt. Sie kam nicht in einem Wesen, dem man ansieht, dass es aus einer anderen Welt stammt. Diese besondere Nähe Gottes kam in einem Kind, in einem wehrlosen Kind, das alles andere als mächtig ist. Und diese Nähe Gottes kam, wenn wir von Weihnachten weiterdenken bis zum Karfreitag im Gekreuzigten, von dem, der in Todesqualen am Kreuz hing und starb. So ist Gott zu uns gekommen, und so ist er da.

Die Engelsgestalten sind nur die dienstbaren Geister, aber im Baby, im Gekreuzigten ist Gott in seinem Ebenbild da und in ihm strahlt seine Herrlichkeit zu uns.

Warum um alles in der Welt ist nun dieser großartige Gott ausgerechnet als Mensch zu uns gekommen, als Kind, als Gekreuzigter? Warum zeigt er sich uns so? Dafür gibt es sicher viele Gründe, zum Beispiel um uns nahe zu sein, wie es wohl nur geht, wenn er als einer von uns kommt. Aber ein ganz besonderer Grund ist sicher, dass es so gut zu seinem Wesen passt. Er hat alles aufgegeben, alles auf sich genommen, aus Liebe zu uns, aus Liebe, die erst in unser Leben kommt und dann für uns in den Tod geht. So hat er sich uns gezeigt! So hat er bei uns gelebt. Und so zeigt sich Gott selbst. Nehmen wir diese Liebe an! Nehmen wir sie mit in den Alltag nach den Weihnachtstagen! Und dann wird diese Liebe durch uns weiterstrahlen – auch im zweiten Lockdown 2020!

Ich möchte Ihnen, liebe Schwestern und Brüder in Altensteigdorf und Berneck, ganz bewusst diesen MUT zusprechen! Diesen Mut zur Veränderung! Vielleicht können Sie an Weihnachten auch zu einem solchen Ermutiger, zu einer Ermutigerin werden und anderen Menschen Mut zu sprechen und diesen Gottes Liebe in ihre Einsamkeit bringen! Eine schöne Idee finde ich beispielsweise, kranken oder älteren Menschen in Ihrer Einsamkeit ein Licht zu sein und diesen eine kleine Freude zu machen, damit auch deren Mut wieder wächst und sie Gottes Liebe besonders an Weihnachten spüren dürfen!

Mit dem Lied „Herr, das Licht deiner Liebe“ von Graham Kendrick wünsche ich Ihnen von Herzen gesegnete Weihnachten und dass das Licht von der Liebe Jesu auch in Ihrem Leben und in Ihrem Alltag weiterstrahlen darf.

„Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf, strahlt inmitten der Finsternis für uns auf. Jesus, du Licht der Welt, sende uns dein Licht. Mach uns frei durch die Wahrheit, die jetzt anbricht. Sei mein Licht! Sei mein Licht!“

Amen.