Predigt vom 21.02.2021

Der Predigttext steht in Kol 3, 16.17. 

Der Apostel Paulus schreibt an die Christen in Kolossä:

Lasst das Wort Christi reichlich wohnen unter euch. Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; Mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus Christus, und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Liebe Gemeinde,

über 2 Monate des Lockdowns liegen hinter uns und mindestens zwei Wochen noch vor uns. Wir verbringen viel Zeit in unseren Wohnungen. Der Apostel Paulus legt uns ans Herz, was uns für unser Leben gut tut. Nicht nur in, sondern auch außerhalb unserer Wohnungen. Er sagt:

„Lasst das Wort Christi reichlich wohnen unter euch.“ Tun wir das? Jeder Einzelne von uns, und wir als Gemeinde, wir als Christen in Altensteig und darüber hinaus?

Es berührt mich immer wieder, wenn ich Sonntagsmorgens sehe und wahrnehme, dass dieser Auftrag in Altensteig gelebt wird. Da fahre ich, von Altensteigdorf herkommend, die Dorfer Straße hinunter und an den Kirchen der Methodisten und Katholiken vorbei zum Gottesdienst nach Berneck. Im Zurück fahre ich oberhalb der JMS an der Stadtkirche vorbei nach Altensteigdorf, um dann dort den Gottesdienst zu halten. 

Ich freue mich immer, wenn Menschen oder Autos vor den Gebäuden sind oder ich die Lichter in den Gotteshäusern brennen sehe, weil ich weiß: an so vielen Orten in unserer Stadt wird Sonntags das Wort Gottes verkündigt und gehört. Das Wort Christi wohnt reichlich unter uns! Nicht nur sonntags, sondern auch Wochentags, wenn die Gemeindehäuser oder das Haus Adler, der Anker, die Kellerhütte mit Leben gefüllt sind und groß und klein sich treffen, um auf Gottes Wort zu hören.

Freilich: damit das Wort Christi reichlich unter uns wohnen kann, ist es nicht genug, dass es in den Kirchen und Gemeindehäusern verkündigt und gehört wird. Vielmehr muss es bei den Einzelnen in ihrem Herzen Wohnung finden und dann mit in die Häuser genommen werden, um im Leben als Christ Raum zu bekommen. Denn Jesus sagt, dass das Hören seines Wortes allein nichts bringt. Vielmehr gibt er vor: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. (Joh. 5,24). Damit wir zurecht Christen heißen und es auch sind, gilt es also, auf das Wort Jesu zu hören und Gott zu glauben. An den Gott, der uns Menschen so sehr geliebt hat, dass er seinen Sohn Jesus sandte, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh. 3,16)

Haben wir dieses ewige Leben schon? 

Das ewige Leben bekommen wir nicht erst nach unserem Tod, sondern es fängt jetzt schon an! Dann, wenn ich auf das Wort Jesu höre und an den Gott glaube, der uns Jesus zur Rettung aus der Verlorenheit sandte. Diesen Glauben kann ich nicht selber machen. Ich kann nur Gott sagen, dass er mir diesen Glauben schenkt und ich ein Leben mit Ewigkeitswert haben möchte. 

Wer ihn so bittet, dem offenbart er sich. Dem schenkt er Glauben, der nicht selbstgemacht ist. Und noch viel mehr! Eine unvergleichliche Liebe zu Gott. Und ganz viel Freude ins Herz. Und Frieden mit Gott! Und die Gewissheit: ich bin von Gott selbst aus dem Gericht gerettet! Ich habe das ewige Leben! Jetzt! 

Ich habe das als junge Frau erlebt, als ich bei einer Minibibelschule der Aidlinger Schwestern war. Sie setzen durch diese Kurse auf ihre Weise unermüdlich um, was Gott uns Christen aufträgt: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit (V. 16). Eines Abends las ich dort zur Vorbereitung für den nächsten Tag in der Bibel. Da erschrak ich zutiefst, denn da stand eine bestimmte Verhaltensweise von mir, und dass sie von Gott mit dem Tod bestraft wird. Dieses Urteil traf mich ins Mark und ich erkannte, dass ich vor Gott ein Sünder bin, der verloren ist. Es war schrecklich, weil mein ganzes christliches Leben plötzlich nichts mehr wert war. Angesichts dieser Sünde zählte das alles nicht, denn ich war verloren! Ich brauchte Hilfe! 

War es dumm, die Bibel zu lesen? Denn beim Hören auf Gottes Wort lernte ich ja Gottes Recht und Maßstab kennen und erkannte mich als eine verurteilte Sünderin. Als tot! Sollte man die Bibel lieber nicht öffnen und lesen?

Nein, es ist klug, die Bibel zu lesen, denn sie verkündigt nicht nur den Tod, sondern auch das Leben! Das Leben, das sich wirklich lohnt! Die Rettung vom Tod!

Da saß ich also in dem Gästezimmer und brauchte Rettung aus meiner Not.

Da fiel mir der Text des Kärtchens ein, das zur Begrüßung auf dem Kopfkissen gelegen hatte. Es stand drauf: Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! (Röm. 7, 24.25)   

Dieses Wort der Erlösung durch Jesus erreichte mein Herz. Ich öffnete der Gnade Gottes mein Herz und bekannte Gott meine Sünde. Und erkannte: Jesus trug meine Sünde ans Kreuz von Golgatha. Dort wurde sie gerichtet. Aber die Strafe des Todes traf Jesus, nicht mich. Mir gibt er das Leben, das ewige Leben.

Über diesen wunderbaren Tausch wurde ich so froh und frei! Gott schenkte mir den gewissen Glauben, dass er mich elenden Menschen liebt.  Dass er mir gnädig und barmherzig ist. Dass er mir meine Schuld vergibt und sie mir nie mehr vorhält.

Gottes Wort, die Bibel, wurde mir zur Lebenskraft. Gott offenbarte sich mir durch sein Wort als der, der er ist. Und schenkte mir Glauben und Leben.

Seither kann ich Gott nur danken, dass er mich aus Liebe erlöst hat. Ich singe seitdem so gerne geistliche Lieder und bete die Psalmen und Lobgesänge, um Gott im Herzen oder auch in der Gemeinde zu loben und zu danken. (V. 16) Ich freue mich, dass ich jetzt schon mit diesem wunderbaren Gott und Herrn leben kann. Und immer tiefer erkenne, was für ein herrlicher Gott er ist. In mir ist eine große Vorfreude, ihm im Himmel zu begegnen und die Wohnung zu beziehen, die Jesus mir vorbereitet hat. 

Bis dahin schenkt Gott mir Zeit auf dieser schönen Erde.

 Lebenszeit. Und gibt den Lebensauftrag, ihn zu lieben und

meinen Nächsten wie mich selbst. Was heißt das?

Alles, was ich mit Worten oder Werken tue, im Namen Jesu Christi zu tun, und Gott, dem Vater, durch ihn zu danken. (V. 17) 

Damit ich weiß, was ich tun und was ich lassen muss, muss ich das Wort Christi reichlich unter mir wohnen lassen. Damit ich weiß, welche Worte und Werke ich im Namen Jesu zu tun habe, muss ich das Wort Christi reichlich unter mir wohnen lassen. Damit ich weiß, was ich lassen muss, weil es nicht dem Willen Gottes entspricht, muss ich das Wort Christi reichlich bei mir wohnen lassen. Wie können wir uns das Wohnen des Wortes Christi bei uns vorstellen?

Als ich Studentin in Tübingen war, da besuchte ich immer mal wieder Mitstudenten, die in den Hochhäusern auf Waldhäuser Ost wohnten. Jeder lebte dort für sich in seinem kleinen Apartment. Auf mich wirkte das wie das Leben eines einsam gefangenen Vogels in einem Vogelkäfig, und das gesamte Hochhaus wie ein riesiges Gebäude voller Vogelkäfige. So wollte ich als Student nicht leben müssen!

Ich war darum froh, eine Platz im Bengelhaus zu bekommen. Ich wohnte in diesem Studienhaus mit über 100 Studierenden, in einer Zweier-Wohngemeinschaft. Das war echt prima, denn gefühlt hatte ich immer jeman-den zum Reden, zum miteinander kochen oder auch zum Lernen. Und als meine Mitbewohnerin durchs Examen fiel, da war sie froh an mir, weil ich sie tröstete und ermu-tigte. Und mich mit ihr freute, als sie es beim nächsten Anlauf schaffte.

In solch einer Wohngemeinschaft, wo man Freud und Leid miteinander teilt, will Jesus mit uns leben. Damit wir nicht allein sein müssen mit uns selbst und nur von Selbstgesprächen leben. Damit wir ein Zuhause haben, wo Sein Wort zählt, und ich nicht nur Menschenmeinungen oder Stimmungsmachern ausgesetzt bin.

In dieser WG (Wohngemeinschaft) will Jesus Zeit mit uns verbringen und durch sein Wort in der Bibel reden. Was wir dazu tun müssen ist, Zeit mit ihm zu verbringen und in der Bibel zu lesen. 

Jesus will aber nicht nur zu uns reden, sondern uns auch zuhören, wenn wir beten. 

Er will uns noch so viel mehr schenken! 

Jesus will uns nicht zur Last fallen, sondern unsere Lasten abnehmen.  

Jesus sucht nicht den Streit mit uns, sondern will uns durch die Wahrheit frei machen und den Frieden bringen. 

Jesus will, dass ich mich als den Menschen erkenne, der ich bin: Als einen Menschen, dem Gott das Leben schenkte und den Gott als sein Kind haben möchte. Den der Vater im Himmel von Herzen lieb hat und aus der Verlorenheit retten will. Und wenn wir in einer WG mit Jesus leben, will er, dass wir wissen: Gott hat mit uns Geduld, wenn wir mehr und mehr lernen, sein Wort zu halten und die Werke zu tun, die er vorbereitet hat. 

Es ist richtig gut, mit Jesus in einer WG zu leben! Sich von ihm, seinem Wort und Wesen, prägen zu lassen!

Das ist aber noch nicht alles! Denn Gott zeigt uns, dass wir keine Einzelkinder sind, sondern Glaubensgeschwister haben. Er will in uns die Liebe zu ihnen wachsen lassen, damit wir als Christen feste und verlässliche Beziehungen haben, die uns tragen, wenn wir es nötig haben. Und in die wir gerne investieren, wenn es der andere nötig hat. Und wir miteinander, als Christen an unserem Ort, Gott die Ehre geben, auf Jesus hören und Gott glauben. Ich freue mich über diese Verbundenheit! 

Und dann hat jeder Christ für sich und wir miteinander den Auftrag, die Freude, die wir durch die WG mit Jesus haben, weiter zu geben. In unseren Familien, bei Verwandten und Bekannten, Nachbarn und Arbeitskollegen, in unserer Kirchengemeinde. 

Damit Jesus viele reich machen kann, wie er uns reicht gemacht hat. Wir sind reich, weil wir jetzt schon das ewige Leben haben und nicht ins Gericht kommen, sondern vom Tod zum Leben hindurchgedrungen sind! 

Sind wir reiche Menschen, die in einer WG mit Jesus leben, und diesen Reichtum weitergeben durch unsere Worte und Werke? 

Wer diesen Reichtum noch nicht hat, wer noch wie ein gefangener Vogel für sich allein im Vogelkäfig lebt, der darf sich im Gebet vertrauensvoll an Gott wenden und ihn bitten, dass er Jesus zu ihm an die Tür sendet, damit er Jesus einlassen (vgl. Off. 3,20) und in einer WG mit Jesus leben kann und das ewige Leben hat.

Lassen wir uns von unserem großen Gott und einem Leben in der WG mit Jesus reich beschenken, um mit unserem Wort und Werk zu verkündigen, dass er das Leben gibt, das sich wirklich lohnt. Amen.