Predigt vom 07.03.2021

Der Predigttext: Eph 5, 1-2+8-9

So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und

lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu ei-nem lieblichen Geruch. Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.

Liebe Gemeinde,

seit fast einem Jahr prägt Corona unser Leben. Für viele gleicht es dem Leben in der Wüste. Vorher konnte man aus dem Vielerlei auswählen. Nun prägt uns seit Monaten das Einerlei des Lockdowns. Vorher konnte man mit vielen Menschen zusammenkommen und sich nach Lust und Laune ohne nächtliche Ausgangssperre vergnügen. Jetzt verbringt man seit Monaten mit wenigen und meist immer den gleichen Menschen die Zeit, und man kann nur wenig unternehmen. Corona hat uns quasi als ganzes Volk in die Wüste geschickt. Aber nicht nur im Leben eines Volks gibt es Wüstenzeiten, sondern auch im Leben von einzelnen Menschen. Auf einmal wird man ausgebremst und kann nicht mehr am pulsierenden Leben teilnehmen. Das kann durch einen Unfall, eine Krankheit oder Depression verur-sacht sein, oder durch einen Arbeitsplatzverlust oder Über-schuldung, durch Mobbing oder eine Scheidung, usw. 

Wir sind nicht nur mitten in der Pandemiezeit, sondern auch mitten in der Passionszeit. Wir denken dabei an das Leiden Jesu, das einer Wüstenzeit glich, und das in seinem Sterben am Kreuz endete. 

Wenn wir als Person oder als Volk Wüstenzeiten erleiden,

dann setzen wir alles daran, sie durchzustehen und heraus-zukommen.

Bei Jesus war es anders. Er ging in diese Wüstenzeit im Wissen, dass sie für ihn mit dem Tod enden würde. Und doch war er kein lebensmüder Selbstmörder. Er litt und starb nicht für sich, sondern für uns. Wie kam es dazu? 

Das Leiden und Sterben Jesu als Gabe und Opfer uns zugut kann man nur verstehen, wenn man die ganze Bibel liest und Gottes Geschichte mit uns Menschen erfasst. Wenn man nun in der Bibel nach vorne blättert und im 2. Buch Mose liest, wie Gott beispielhaft am Volk Israel handelte, dann versteht man Jesu Gabe und Opfer uns zugut. Die Frage an uns ist: nehme ich Jesu Gabe und Opfer für mich in Anspruch? 

Was geschah damals? Gottes Motiv war die Rettung seines geliebten und erwählten Volkes Israel, mit dem er Ge-schichte schreiben wollte. Nach 430 Jahren in ägyptischer Knechtschaft gab Gott ihnen in der Passahnacht durch Mo-se den Auftrag: Schlachtet ein Lamm und streicht das Blut an eure Türpfosten. An wessen Tür der Engel in der Nacht das Blut sieht, geht er vorüber. An wessen Tür kein Blut ist, geht er hinein und tötet. Und genau so kam es. Das Blut des Lammes an der Tür bewahrte vor dem Tod.  

Und dann führte Gott durch Mose das Volk Israel, das durch das Blut des Lammes an der Tür vor dem Tod be-wahrt wurde, aus der Gefangenschaft. Gott begleitete sie  auf dem Weg durch die Wüste, bis sie am Ort der Ver-heißung ankamen und sich als freie Menschen niederlassen konnten. So handelte Gott am Volk Israel.

Weil aber Gott nicht nur das Volk Israel liebt, sondern alle

Menschen, sandte er seinen Sohn Jesus, damit alle, die an ihn glauben, gerettet werden. 

Schön und gut, mögen manche denken, aber brauchen wir denn Rettung? 

Das Corona-Virus hat uns gezeigt, wie gefährdet unser Le-ben ist. Viele sehnen sich nach einem Impftermin, um end-lich einen Impfstoff in sich zu haben, der einen gewissen Schutz vor dem Corona-Virus und einer schweren Erkran-kung bietet. Es ist toll, dass es Impfstoffe gibt, die einem das Leben retten können! Bis eine Herdenimmunität er-reicht ist, bedroht das Corona-Virus unser Leben. Und weil es pandemieartig auftritt, macht es uns zu unfreien Men-schen. Denn wer das Virus nicht ernst nimmt und vor al-lem auf seine Freiheit pocht, kann sich anstecken und dann selbst erkranken oder es an jemanden übertragen, der er-krankt und sehr viel schlimmere Folgen zu tragen hat.

Ein viel gefährlicherer Angriff auf unser Leben ist die Sün-de, die vor unserer Tür lauert und uns zum Ungehorsam gegen Gott und sein Gebot versucht. Die Sünde gefährdet nicht nur unsere Gesundheit, sondern unser ganzes Leben, weil es uns den Frieden mit Gott wegnimmt. Und sie ver-schließt uns den Himmel, weil Gott sich nicht mit der Sün-de oder einem sündigen Mensch eins machen kann. Sünde bringt uns den Tod und die Verlorenheit.

Das Fatale ist: wir schaffen es nicht, uns komplett vor der 

Sünde zu schützen und aus eigener Kraft über sie zu herr-schen. Vielmehr lassen wir uns auf sie ein. Wir stellen Gottes Gebot und Ordnung in Frage oder interpretieren es für uns und unsere Zeit und Situation heute. Wir werden nachlässig, unachtsam, ungeduldig, bezweifeln die Folgen, machen in der Masse mit.

Der Apostel Paulus weist in den Versen 3-7 auf einige Bereiche, wo die Sünde uns verlockt. 

Er nennt als erstes den Sex außerhalb der Ehe oder auch den Konsum von pornographischen Bildern. Und wie schrankenlos liefert das Fernsehen oder Internet einem heutzutage die Pornographie ins Haus! 

Als zweites nennt Paulus die Habsucht, die sich zum einen hinter Sparsamkeit oder Geiz verbergen kann. Zum andern zeigt sich Habsucht in dem immer mehr kaufen und besit-zen müssen. Bei der Berufswahl, der Arbeitszeit, dem Karrierestreben dreht sich dann alles nur noch ums Geldverdienen. Oder aber man hat Besitz und braucht Geld, um ihn zu verwalten, zu sichern und zu vermehren. Beides verlockt einen, seine Sicherheit in Geld und Besitz zu verankern, oder sich durch Geld und Besitz selbst darzustellen, jemand zu sein. Beides kann einen so unfrei machen, dass man erkennt: dieser Mensch dient nicht Gott, sondern dem Mammon. 

Als drittes nennt Paulus die Zunge, die so schwer im Zaum zu halten ist. So leicht kommt der Spott oder die unbarmherzige Kritik über die Lippen, so schnell ist man am Nörgeln. Oder plappert einfach das TeuTeuTeu nach, ohne sich Gedanken zu machen, dass man mit dem TeuTeuTeu den Teufel beschwört.

Wer von uns kann sagen, dass wir ohne Sünde sind? Dass

wir immer nach den AHA-Regeln Gottes leben und

auf A-bstand achten, 

unsere H-ände in Unschuld waschen 

und unsere A-ugen, Ohren und den Mund bedecken? Keiner ist stark genug, um gegen die Sünde zu kämpfen, die uns das Leben nimmt, und uns den Tod und die Verlo-renheit bringt. Wir brauchen gegen die Sünde keinen Impf-stoff, denn der schützt uns nur vor Krankheit. Wir brau-chen vielmehr einen Retter, der uns vor dem Tod bewahrt. 

Jesus wurde unser Retter. Er gab sein Leben am Kreuz von Golgatha und starb unseren Tod. Er opferte sich als Lamm Gottes, damit sein Blut uns vor dem Tod bewahrt. 

Im Passahmahl, das er am Abend vor seinem Tod feierte, erklärte er seinen Tod und was wir tun müssen. Er reichte seinen Jüngern das Brot und sagte: Nehmt und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dann reichte er ihnen den Kelch und sagte: Trinkt daraus, das ist mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Es steht jedem Menschen frei, sich gegen Corona impfen zu lassen und vor einer Erkrankung geschützt zu sein. So steht es auch jedem Menschen frei, Jesu Gabe und Opfer anzunehmen, um vor dem Tod und der Verlorenheit bewahrt zu sein. Wer Jesu Gabe und Opfer annimmt, dem vergibt Gott die Sünden. Und schenkt ihm das Leben mit

einem Ziel. 

Wie sieht dieses Leben aus? Gott selbst kommt uns an die Seite, denn unser Leben auf dem Weg zum Himmel gleicht zuweilen einer Wüste und wir brauchen jemanden an der Seite, der sich mit dem Leben in der Wüste auskennt und uns sagen kann, welche Regeln gelten, damit man in der Wüste nicht umkommt. 

Welche Überlebensregeln gibt uns Gott zur Hand, damit wir Tag um Tag den Weg durch die Wüste durchhalten? Er nennt uns hier zwei Regeln. Zum einen: lebt als die gelieb-ten Kinder Gottes. Zum andern: lebt als Kinder des Lichts.

Wie lebt man als geliebtes Kind Gottes? Das Volk Israel erinnerte sich immer wieder an die mächtige Tat, die Gott in der Passahnacht getan hatte. Sie feierten jährlich das Passahmahl und bezeugten damit Gottes Rettung vom Tod. Sie priesen miteinander als Gemeinde und in den einzelnen Familien und für sich Gottes Liebe. Das machte sie stark, um als Gottes geliebte Kinder vertrauensvoll in der Wüste zu leben, bis sie ins Land der Verheißung kamen. 

Wenn wir als Christen jährlich die Passionszeit feiern und Jesu Liebe zu uns bezeugen, der das Lamm Gottes wurde, das der Welt Sünde trägt, und regelmäßig das Abendmahl feiern, dann macht uns die Liebe Gottes stark, um als ge-liebte Kinder Gottes in der Wüste zu leben. Das ist die ers-te Regel für das Leben in der Wüste: Lebt als geliebte Kin-der Gottes, denen die Sünde vergeben ist und die in der Liebe zu Gott und dem Nächsten leben! Das Abendmahl ist uns dabei eine Entlastung von Sünden und eine Stär-

kung auf dem Weg! 

Die zweite Regel ist: lebt als Kinder des Lichts. In der Wüste begleitete Gott das Volk Israel am Tag in einer Wolkensäule und in der Nacht in einer Feuersäule. Wer in Reichweite dieser Gegenwart Gottes blieb, der wurde täg-lich mit Manna und Wasser versorgt. Und in der Nacht durch das Licht geschützt und gewärmt. 

Gott hat uns Christen den Heiligen Geist geschenkt, der uns in die Gegenwart Gottes hineinnimmt. Wer in Gottes Nähe bleibt, den versorgt er mit allem, was er zum Leben braucht. Und bewahrt und behütet ihn. Bis er am Ort der Verheißung angekommen ist. Das ist der Himmel. Gott er-wartet uns dort. Es wird dort keine Sünde mehr geben, die uns von Gott weglockt und den Tod bringt. Dort werden wir in vollkommener Liebe und im ungetrübten Licht mit Gott zusammensein und uns mit unaussprechlichter Freude an Jesus freuen, der sein Leben gab und sein Blut vergoss, damit wir nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gehen wir auf dieses Ziel zu als geliebte Kinder Gottes und Kinder des Lichts. Amen.