Predigt vom 14.03.2021

Predigttext: Joh 12, 20-26: Jesu Ankündigung der Verherrlichung

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen’s Jesus weiter. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. 

Liebe Gemeinde,

was denken Sie, gibt es heutzutage Menschen, die Jesus gerne sehen wollten? Oder denken Sie, dass es in der heu-tigen Zeit eher kein Interesse für Jesus gibt? 

Es berührt mich immer wieder neu, was ich wahrnehme. Im Kindergarten Berneck wird normalerweise am Freitag eine Geschichte von Jesus erzählt. Am Freitag erzählte mir eine Erzieherin, wie gespannt die Kinder am Morgen zuge-hört hatten und sich mit diesem Jesus beschäftigen! In der Kinderkirche in A`dorf hören die Kinder die Passions- und Ostergeschichte und freuen sich auf Ostern als das Fest der Auferstehung Jesu, der den Tod besiegte! Gerade Kinder haben offene Herzen und wollen gerne Jesus kennenlernen und vor Augen gemalt bekommen! 

Nächste Woche würden wir eigentlich Konfirmation fei-ern, die wegen Corona auf den 18. Juli verschoben wurde. Es ist eine ganz besondere Zeit im Leben dieser Jugendli-chen auf der Schwelle zum Erwachsensein, dass sie in der Konfirmandenzeit sehr verborgen etwas spüren von dieser Sehnsucht: wir wollten gerne Jesus sehen. Sie stehen an einer Schwelle, wo sie das Eigentliche erkennen und als festen Halt ergreifen wollen, um ihren Platz, ihren Auftrag einzunehmen. Es ist kostbar, wenn sie in dieser Zeit Jesus begegnen und anfangen, mit ihm zu leben! 

Denn das macht Jesus aus: er gibt uns das, was wir be-

wusst oder tief verborgen suchen.

Was will Jesus uns geben? Was sollen wir erkennen und erfassen, wenn wir auf Jesus sehen?

Der Evangelist Johannes berichtet in diesem 12. Kapitel von einem ganz einschneidenden Wendepunkt im Leben Jesu. Bis dahin erlebten die Menschen Jesus als jemand besonderen. In dichten Mengen scharten sie sich, um ihn zu hören, weil er mit Vollmacht von Gott lehrte. Und zu erleben, wie er Zeichen und Wunder tat. Wasser wurde zu Wein, über 5000 Menschen wurden von zwei Fischen und fünf Broten satt, einer, der 38 Jahre gelähmt war, wurde geheilt, den toten Lazarus rief er beim Namen und der kam lebend heraus. 

Nicht nur die Juden wurden auf Jesus aufmerksam und wollten ihn sehen, sondern auch die Griechen wollten ihn sehen. Jesus aber wusste, dass seine Stunde gekommen war und er sich von der Menge und seinem Wirken unter ihnen abwenden musste. Er musste sich jetzt dem Weg des Gehorsams gegenüber Gott und seinem Willen zuwenden, den die Menge nicht verstehen und mitgehen würde.

Warum war dieser einsame Weg notwendig? 

Jesus war nicht in die Welt gekommen, um für Menschen ein Teil vom Leben zu werden, in dem er als ein Vorbild fungiert, als Nothelfer, als Wunderheiler, als einer, der ei-nem ein gutes Gefühl gibt. Sein Auftrag war ein anderer, ein höherer und dem stellte er sich. Sein Ziel war es, Gott und Mensch zusammenzubringen und als Leben ins Leben von Menschen zu kommen. Denn das war der Wille Gottes für seinen Sohn Jesus: dass er sein Leben hingibt zur Erlö-sung für viele.

Dieser Zeitpunkt war jetzt gekommen, dass er den einsa-men Weg des Leidens, Sterbens und Auferstehens ging, auf dem er Gott verherrlichen würde und von Gott verherr-licht werden würde. Und nur die, denen Gott den Heiligen Geist geben würde, würden diesen Weg als ihre Rettung erkennen und erfassen. Und Gott den Vater und dem Sohn dafür ehren und anbeten.

Jesus musste sich dazu von der Menge, die ihn für sich als vollmächtigen Prediger und wunderbaren Helfer verehren und bejubeln wollte, abwenden und den einsamen Weg des Leidens und Sterbens am Kreuz gehen. Er tat es, weil er wusste: nur wenn er wie ein Weizenkorn in die Erde fällt und erstirbt, wird er wachsen und Frucht bringen können. Nur wenn er sein Leben hingibt, kann er vielen das ewige Leben schenken. Nur wenn er dient, kann er als König und Herr mit Macht und Herrlichkeit in dieser Zeit und in Ewigkeit regieren.

Wer Jesus gerne sehen will, muss ihm darum auf seinem Weg der Verherrlichung folgen. Er stieg in Jerusalem nicht auf den Thron Davids und wurde nicht zum König gekrönt. Vielmehr wurde er gefangen genommen und zu Unrecht zum Tod verurteilt, geschlagen, ans Kreuz genagelt, ver-spottet, von allen verlassen, auch von Gott. Ganz einsam starb Jesus. Und dann wurde er in die Erde gelegt. 

Wir sehen: der Ort der Verherrlichung Jesu ist das Kreuz. Warum das? Das Kreuz war für Jesus nicht das tragische Ende eines gutgemeinten Versuchs, die Welt zu retten, sondern die Erfüllung seines Auftrags von Gott. Willig und bewusst gab Jesus sein Leben für uns als Erlösung. Brauchen wir Erlösung? Durchaus, denn vor Gott können wir nichts verbergen, Er weiß um unser Rechtsein, dass wir uns um ein gutes Leben bemühen. Aber er weiß auch um unser Schuldigwerden: dass wir ihn aus unserem Leben ausblenden, dass wir seinem Willen und Auftrag nicht ge-recht werden. Diese Schuld trennt uns von Gott und macht uns vor Gott zu verlorenen Menschen. 

Gott will uns aber nicht verloren geben! Darum sandte er Jesus, dass er uns aus der Verlorenheit rettet. Er gab sein Leben, um uns von unserer Sünde zu erlösen und das ewi-ge Leben zu schenken.

Jesus weiß genau, was sich nach seinem Tod am Kreuz zur Erlösung für viele ereignen wird! Er stirbt zwar für alle, aber nicht alle werden die Erlösung annehmen. Darum sagt Jesus nicht: zur Erlösung für alle! Weil er weiß: Es wird Menschen geben, die, obwohl sie Jesus sahen, dennoch weiter ihr Leben liebhaben, die ihr selbstbestimmtes und selbstgerechtes Leben der Selbstverwirklichung leben, bei dem Jesus durchaus einen gewissen Raum bekommen kann, aber nicht Zugang zum Herz. Und sie verlieren damit das ewige Leben mit Gott! 

Jesus weiß jedoch: es wird auch Menschen geben, die ihr selbstbestimmtes und selbstgerechtes Leben hassen, weil sie ihre stolze Vermessenheit gegenüber Gott erkennen: dass sie Seiner Liebe misstrauten. Dass sie nicht glaubten, bei Gott das Leben und volle Genüge zu haben. Dass sie ihre Verlorenheit und Gottesferne verdrängten. 

Die zu Gott umkehren und ihre Schuld bekennen. Und sich von Jesus beschenken lassen, weil sie erkennen: Jesus gab sein Leben für mich in den Tod, damit er mich von meiner Sünde erlösen kann. Und mir so das Leben mit Gott in einer vertrauensvollen, liebenden und geheilten Beziehung schenken kann. Der als das Leben in mein Leben kommt. 

Gehören wir zu den vielen, die die Erlösung und das Leben in Jesus erkennen und erfassen? Und ihm von ganzem Her-zen nachfolgen? Ihm dienen und dadurch Jesus ehren?
Wir leben mitten in der Corona-Pandemie und unser Leben als Kirchengemeinde ist seit über einem Jahr so anders ge-worden. Vieles kann nicht mehr stattfinden, das schmerzt. Und doch ist es wichtig, dass wir diese Zeit auch als Chan-ce sehen. Weniger Veranstaltungen bedeutet Entschleuni-gung. Nutzen wir diese Zeit, um zur Ruhe zu kommen und zu hören. Was heißt es für mich, Jesus nachzufolgen und ihm zu dienen? Äußert sich Christsein nur darin, dass man gesehen wird, dass man in verschiedenen Aufgaben tätig ist? Oder ruft uns Jesus durch die Corona-Pandemie viel-leicht in die Stille, dass wir uns wie Maria ihm zu Füßen setzen und hören? Dass wir wie Zachäus unbedingt Jesus sehen wollen und ihn mit in unser Haus nehmen und uns von ihm das Heil schenken lassen? Dass wir wie die Jün-ger Jesu im Garten Gethsemane auf Jesus hören, der betete und seinen Jünger auftrug: wacht und betet? 

Eins legt uns Jesus ans Herz: dass wir als seine Diener dort sein sollen, wo Er ist. Jesus ist vom Tod auferstanden und lebt. Er ist bis zu seiner Wiederkunft als Herr aller Herren und König aller Könige im Himmel. Und doch durch den Heiligen Geist mitten unter uns. Und trägt uns auf, sein Diener zu sein. 

Ein Diener ist 24 Stunden an 7 Tagen die Woche für seinen Herrn da und fragt ihn: Herr, was willst du, dass ich tun soll? 

Wir merken, dass Jesus nicht ein bisschen Raum in unse-rem Leben bekommen möchte, sondern uns als Herr mit seinem Leben erfüllen will. Wie können wir uns das vor-stellen? Schon vor den Hygienevorgaben durch die Coro-na-Pandemie mussten die Diener des Königs für ihren Dienst Handschuhe anziehen. Der Handschuh gehört zu einem Diener. Darum will ich nun an einem Handschuh verdeutlichen, wie unser Leben als Diener sich mit Jesus, dem Herrn, gestalten soll. 

Unser Leben als Diener gleicht diesem Handschuh. Ein Handschuh ist da, aber er ist an sich ohne Leben. Wenn ich nun meine Hand in den Handschuh stecke, dann kann der Handschuh das tun, was die Hand vorgibt. Hören, sehen, beten, dienen, dem Nächsten Gutes tun. 

Übertragen auf unser Leben heißt das: Lassen wir uns er-füllen von unserem Herrn Jesus und seinem Leben, damit wir mit ihm leben und vom Vater im Himmel geehrt wer-den. Fragen wir: Herr, was willst Du, dass ich tun soll? Und gehorchen ihm.

Wer dieses Leben, diesen Herrn noch nicht in sich hat, kann Jesus bitten, als Herr in sein Leben zu kommen und das Leben zu geben. Wir können ganz einfach beten: „Komm in mein Herz, Herr Jesus.“ Es ist toll, wenn einen dann Sein Leben erfüllt und man das Leben hat!

Zum Schluss: Denken Sie, dass es heutzutage Menschen gibt, die Jesus gerne sehen wollen? In unserem Ort, welt-weit, in der digitalen Welt? 

Es gibt sie! Und Gott hat einen Auftrag für uns: dass wir unser Leben mit dem Leben von Jesus eins machen. Und in dieser Einheit mit Jesus Menschen die Möglichkeit geben, dass sie durch unsere Verbundenheit mit Jesus in unserem Leben Jesus sehen, dass sie durch uns von Jesus hören, dass sie von uns umbetet werden, dass wir ihnen im Namen Jesu Gutes tun. Vor allem den Kindern und jungen Erwachsenen und denen, die sich nach einem Leben in einer liebenden, vertrauensvollen und heilen Beziehung zu Gott sehnen. Erwarten wir, dass Jesu Herrschaft und sein Reich sich ausbreitet, Raum gewinnt und Sein Leiden, Sterben und Auferstehen Frucht bringt! Amen.