Predigt vom 01.04.2021

Matth 26, 17-29 Das Abendmahl

Aber am ersten Tage der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten? Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passa feiern mit meinen Jüngern. Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm. Und am A-bend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Und sie wurden sehr betrübt und fin-gen an, jeder einzeln, ihn zu fragen: Herr, bin ich’s? Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüs-sel taucht, der wird mich verraten. Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wä-re. Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich’s, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es. Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von die-sem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich von Neuem davon trinken werde mit euch in mei-nes Vaters Reich. -

Liebe Gemeinde,

das jährlich wiederkehrende Passahfest war und ist für Ju-den ein Freudenfest. In großen Festgesellschaften treffen sie sich in den Häusern hin und her, um die Befreiung ihres Volkes aus der Unterdrückung durch die Ägypter zu fei-ern. Sie sind voll Jubel, dass Gott sie in das verheißene Land führte und sie dort leben können. Diese Festtage sind der Höhepunkt jeden Jahres.

Mitten in dieses Passahfest hinein bringt Jesus das ganz Neue. Er redet, und es ist, als ob die Uhr stillsteht. Was sagt Er?! Ja, was? 3 Dinge will ich nennen.

1.Verraten! 

Jesus ist als Gastgeber mit seinen Gästen um den festlich gedeckten Tisch versammelt. Plötzlich sagt er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.

Jedem der Jünger stockt der Atem. Verraten. So ein Wort passt nicht zum Feiern, das stört das Fest. So, wie der Ent-schluss der Ministerpräsidenten-Konferenz mit der 5tägi-gen Osterruhe einem den Atem stocken ließ, weil so etwas nicht zum Feiern des Osterfests passt.

Jesus spricht ein so schlimmes Vergehen an. Verrat! Da merkt einer: ich stehe vor Gott und der klagt mich an und sagt: Du! Du stehst gegen mich! Du bist fern von mir!

Jeder der 12 Jünger geht in sich und wird ganz betrübt über sich selbst. Jeder Einzelne spricht mit Jesus und sagt: Herr, bin ich´s? 

Klar, wir wissen im Rückblick, dass Judas der Verräter 

war. Aber die 12 Jünger am Tisch wissen es nicht! Sie merken nur die Abgründe ihres Herzens.

Ja, ich wäre fähig, an Gott vorbeizuleben. Nicht für ihn und seine Gebote einzustehen. Zu sagen: den kenn ich nicht. Sich nicht zu Jesus zu stellen.

Jesus sagt: einer ist´s, der mich verrät. Und jeder Einzelne merkt: das ist eine Tat, die mir passieren könnte. Ich könn-te Jesus wie ein Petrus verleugnen, ich könnte wie die Jün-ger fliehen, ich bin oft genug so halbherzig Christ. 

Ich kann nicht mit dem Finger auf andere zeigen: Du! Ver-räter! Sondern muss auf mich zeigen: Herr, bin ich´s? 

2. Vergossen

Jesus und die Jünger sitzen um den Tisch, auf dem Brot liegt und vier Becher Wein. Ein Brot und einen Kelch nimmt Jesus in die Hand und stiftet mit ihnen etwas Neues. Er gibt seinen Jüngern das Brot und sagt: Nehmt, das ist mein Leib. Und er gibt ihnen den Becher und sagt: Trinkt, das ist mein Blut. Mein Leben. 

Auch auf unseren Tischen stehen Brot und Becher mit Traubensaft. Wenn wir das Brot essen und den Saft trin-ken, dann kommt dieses Wort von Jesus und das Zeichen von Brot und Traubensaftzusammen und wird etwas ganz besonderes. Wenn wir das Brot und den Saft schmecken, dann nehmen wir Jesus Christus auf. Wir spüren in diesem Wortzeichen seine Gegenwart. Er kommt zu uns, in uns. 
Das ist in den Zeiten des Abstands so kostbar, dass Jesus nicht an Abstandsregeln gebunden ist, sondern uns zusagt: jetzt, heute, hier bin ich für dich da. Für dich habe ich mei-nen Leib gegeben und mein Blut vergossen.
Wer das im Glauben fassen kann, der erlebt eine ganz be-sondere Mahlzeit. Er nimmt Jesus in sich auf, der vor über 2000 Jahren am Karfreitag seinen Leib für uns gegeben und sein Blut für uns vergossen hat. Zuvor setzte Jesus das Abendmahl ein, damit Menschen des Glaubens durch die Jahrhunderte an allen Orten der Welt seine Tat am Kreuz von Golgatha verkündigen, bekennen, annehmen und feiern. Wir sind von Jesus eingeladen, zu den Menschen des Glaubens zu gehören. 

3. Vergeben

Das Fest geht zuende. Eigentlich ruft jetzt einer dem an-dern zu: Schön wars und auf Wiedersehen. Und dann wird dieses geflügelte Wort gesagt: Nächstes Jahr in Jerusalem!

Aber Jesus sagt diese Abschlussworte mit dem Ausblick auf nächstes Jahr in Jerusalem nicht. Er sagt vielmehr, dass er von nun an nicht mehr trinken wird von diesem Ge-wächs des Weinstocks.

Das war für die Jünger ein Schock. Denn sie erkannten, dass dieses „nicht mehr“ nur stimmen würde, wenn Jesus stirbt. Und genau auf das bereitete Jesus sie nun vor. 

Sie würden zum Ölberg gehen. Dann würde er gefangen-genommen und zum Tod verurteilt werden. Er würde als Unschuldiger wie ein Verfluchter am Kreuz erhöht werden und sterben. 

Warum das? Damit Gott ihnen und allen Menschen, die ihn verraten haben, die Gott fernstehen, die halbherzig Christen sind, die Schuld vergeben wird. Und wir das als Geschenk haben können, was wir uns selbst nicht geben können: das Leben in der Gegenwart Gottes. 

Jesus wollte genau das seinen Jüngern und allen, die an ihn

glauben, schenken: das Reich Gottes. Dazu sind wir einge-

laden! Und wir können jetzt schon dazugehören. Und dann, nach unserem Tod und Auferstehen, ganz in Gottes Gegenwart und seinem Reich sein. 

Im Abendmahl dürfen wir es schmecken: Jesus hat für uns, die wir Verräter sind, seinen Leib gegeben und sein Blut vergossen, um uns die Sünde zu vergeben und das Leben im Reich Gottes zu geben. Einen anderen Weg als über das Sterben Jesu am Kreuz gibt es nicht zu Gott, dem Vater. Aber diesen Weg gibt es, und ihn zu gehen sind wir einge-laden. Damit wir zum Reich Gottes dazugehören.

Lassen wir uns von Jesus einladen, mit ihm zu leben, in-dem wir entschieden sagen: Herr, ich bin dabei! 

Wer möchte, kann diese Verbundenheit mit Jesus beim Abendmahl sichtbar zum Ausdruck bringen. Amen.