Predigt vom 02.04.2021

Jes 53, 3-5. Der Prophet Jesaja sieht 600 Jahre vor Christi Geburt, was Jesus als den verheißenen Knecht Gottes ausmachen würde.

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Liebe Gemeinde,

finden Sie auch, dass es schwer ist, seinen Glauben an Je-sus zu bezeugen? Die Berichte vom Leben, Sterben und Auferstehen Jesu, die in der Bibel stehen, zu erzählen, ist leichter, weil man sich an den Text halten kann. Aber den Glauben an Jesus zu erklären, ist viel schwerer. Was heißt es, dass ich glaube: Jesus Christus starb für mich? Es ist so wichtig, dass wir Worte haben, die beschreiben, was wir damit ausdrücken wollen. Es ist so, wie wenn man ein Bild anschaut. Und dann umreißt man, was einen persönlich be-rührte und zur Botschaft wurde. 

Der Prophet Jesaja sah das Bild vom Knecht Gottes Jahr-hunderte bevor Jesus vom Himmel auf die Erde kam, er begegnete Jesus nicht persönlich. Und doch spürt man, dass Jesaja als einer spricht, der Jesus sah und erkannte, wer er war, was er tat. Und dann ein Bekenntnis nieder-schrieb. Zunächst für das Volk Israel, und dann für alle Welt. Das Gesehene, das Jesaja beschreibt, seine Botschaft hilft uns, Jesu Leiden und Sterben für uns zu verstehen. Und es führt uns zum Innehalten: geh ich achtlos am Knecht Gottes vorbei, oder bleibe ich stehen, nehme mir alles zu Herzen, empfange Glauben an Jesus und bezeuge, wer Jesus für mich ist?

Schauen wir hin auf Jesus am Kreuz. Verachtet, erniedrigt und verlassen stirbt er als der ans Kreuz Erhöhte. Was ist geschehen, warum wehrt er sich nicht? Warum stirbt er wie der schlimmste Verbrecher am Kreuz?
Das war damals genauso unfassbar wie es das heute ist. Aber genau das hatten die Römer mit der Kreuzigung ihrer Gegner im Sinn. Sie öffentlich ans Kreuz zu hängen, völlig hilflos dem qualvollen Sterben preisgegeben, verächtlich gemacht, vernichtet. Keiner wollte zu solch einem gehören.

Die Jünger Jesu waren schockiert. Jesus, ihr Meister, stirbt diesen Tod! Dabei hatte er doch das Reich Gottes gepre-digt, und dass es ganz nah herbeigekommen war, und nun dieses Scheitern. Die Tafel am Kreuz über ihm mit der In-schrift: Jesus von Nazareth, König der Juden, verhöhnt ihn, genauso wie die Dornenkrone ihn lächerlich macht. Sie hatten ihn als den Messias erlebt, denn er tat Gutes - und nun wurde er geplagt und geschlagen. Er nannte Gott seinen lieben Vater im Himmel, und jetzt ließ Gott ihn leiden und sterben. 

Im Nachhinein kommen den Jüngern erklärende Worte aus

der Bibel in den Sinn. Zum Beispiel Psalm 22, wo es heißt: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Ich bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute, verachtet vom Volke.“  

Und auch das Wort des Propheten Jesaja, der vom Knecht Gottes sprach, der gerecht ist und doch leiden muss.

Die Jünger erkennen staunend, wie alles so genau auf die Passion Jesu zutrifft. Und sie sagen: „Es musste so kom-men, wie es in der Schrift steht.“ (vgl. z.B. Joh 18+19)

Im Spiegel der Worte des Propheten Jesaja haben Christen zu allen Zeiten versucht, den Tod Jesu zu verstehen. Was ihm angetan wird, ist ungerecht. Sein Leiden ist schreck-lich. Aber sein Tod ist nicht sinnlos. Jesus stirbt für uns. Jesus Christus starb für mich. Sein Sterben macht für mich Sinn! Nehmen wir den Propheten Jesaja zur Hilfe, um den Tod Jesu an meiner Stelle zu erfassen, zu verstehen, zu ei-gen zu machen und zu bekennen.

Der 1. Aspekt: Er war der Allerverachtetste

Diese höchste Steigerungsform drückt aus: schlimmer geht es nicht. Tiefer, elender, leidvoller ist nicht vorstellbar.

Alle Opfer von Erniedrigung und Gewalt wissen ihn an ihrer Seite, ob sie nun wie der Schwarze George Floyd in Amerika heißen oder namenslose Demonstranten in Myan-mar sind. Schutzlos Geflüchtete vor dem Krieg, die Un-recht leiden und von Schleusern gnadenlos ausgenommen werden. Sie alle wissen: kein Mensch möchte in solch einer Lage sein. Aber Gott ist in Jesus bei uns. Er ist da, wo das Leid am größten ist. Er ging durch das tiefste Leid.

Darum ist er auch bei uns an den tiefsten Punkten unseres Lebens. Im Schmerz, im finanziellen Loch, in der Ver-zweiflung, in der Krankheit, in der Angst und im Tod. Gott will bei uns sein auch dann, wenn wir ganz unten sind, im Grab. All das nimmt Jesus auf sich und stirbt für uns und unsere Not, unseren Tod.

Der 2. Aspekt: „Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen.“

Jesus lebte ganz für andere, das mussten sogar seine Kriti-ker zugeben. Er heilte Menschen mit ansteckenden Krank-heiten. Er nahm sich der psychisch Kranken an, die man für besessen hielt und fürchtete. Er ließ sich auf Sünder ein und auf Gescheiterte, die von allen gemieden wurden. Das brachte ihm Anfeindungen ein. Aber er war ohne Men-schenfurcht. Wie kein anderer erkannte Jesus, was Men-schen fehlte, was sie schwach machte. Damit er für alle Menschen die Krankheit tragen und die Schmerzen mit-leiden kann, nahm er sie auf sich und gab sich hin, damit die Peiniger ihn plagen und töten. Jesus starb für uns und unsere Bedürftigkeit und Schwachheit, ja Verlorenheit in Krankheit und Schmerz.

Der 3. Aspekt: „Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen.“

Alle Menschen unterm Kreuz versagen und machen sich schuldig. Pilatus begeht einen grausamen Justizmord. Die Soldaten foltern Jesus mit roher Gewalt. Die selbstgerech-ten Priester zahlen den Judaslohn und liefern ihn aus, da-mit er an den Galgen gehängt wird. Das wetterwendische Volk wählt den Terrorist Barrabas als den Gefangenen, der frei kommen soll. Die Jünger lassen ihn feige allein.- Und Jesus lässt all das geschehen. Er lehnt sich nicht gegen diese Missetaten auf. Er ist unschuldig und leidet, ohne sich zu wehren. Und vergibt denen, die Vergebung für ihre Bosheit brauchen. 
Wir alle brauchen Vergebung für unsere Bosheit, die uns angeboren ist, denn das Dichten und Trachten des mensch-lichen Herzens ist böse von Jugend an. Wir sind verstrickt in Schuld. Durch unser Versagen, unser Schweigen eska-lieren Konflikte. Durch unser Wohlstandsverhalten werden Mensch und Natur in unserem Land und in Drittländern ausgebeutet. Wegen unserem Egoismus scheitern Bezieh-ungen. Weil wir uns von unserem Mitmenschen und von Gott abwenden. 

Aber Gott wendet sich nicht von uns ab! Freilich kann er das Unrecht nicht einfach so aufheben. Er muss es richten, damit das Recht als gültig und das Unrecht als Unrecht benannt wird. Aber in Jesus nimmt er die Strafe für das Unrecht auf sich und trägt die Last der Schuld. In diesem Sinn bringt unsere Sünde Jesus ans Kreuz und er stirbt für unsere Schuld.

Der 4. Aspekt: „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Wir werden von Gott nicht für unsere Schuld bestraft, son-dern versöhnt. Aus Liebe zu uns Sündern geht von Gott die Versöhnung aus, die wir und die ganze Welt bitter nötig haben. Gott gibt uns in Jesus den Frieden, den wir nicht aus eigener Kraft schaffen können, weil unser Herz immer wieder zum Zorn, Hass, Streit und Neid hingezogen wird. Jesus aber ist am Kreuz für uns gestorben, damit Gott uns den Frieden schenken kann und Heilung für  die Wunden, die uns das Böse zufügte. --

5 Worte (5 Finger einer Hand!) sind es: Jesus Christus starb für uns. Jesus Christus starb für mich. Als Jesus am Kreuz starb, da starb er für die Welt und für uns. Für unser Leid. Für unsere Bedürftigkeit. Für unser Versagen. Für unseren Frieden.

Wenn wir heute Abendmahl feiern, dann antworten wir Jesus ganz persönlich und nehmen sein Sterben uns zugut an, um das Leben und das Heil von ihm zu empfangen. Wenn wir das tun, dann freut sich Jesus, der vom Tod auferstand und lebt, und hält mit uns das Abendmahl. Und schenkt uns Frieden mit Gott, mit unserem Nächsten und mit uns selbst. Lassen wir uns einladen von dem Knecht Gottes, der für uns starb, um uns das Leben und Heil zu geben. Amen.