Predigt vom 05.04.2021 Pfarrer Bihl

PREDIGT – GOTTESDIENST mit Flötenkreis

am   05. April 2021 in Altensteigdorf, 10.30 Uhr (Nachläuten)

Sonntag:          Oster-Montag

Predigttext:      Ex. 14+15 (auszugsweise)

Thema:            Die Auferstehung des Herrn

 

PREDIGTTEXT  Ex. 14+15 in Auszügen

8Der Herr verstockte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, dass er den Israeliten nachjagte. Aber die Israeliten waren mit erhobener Hand ausgezogen. 9Und die Ägypter jagten ihnen nach, alle Rosse und Wagen des Pharao und seine Reiter und das ganze Heer des Pharao, und holten sie ein, als sie am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon lagerten. 10Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem Herrn 11und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? 12Haben wir‘s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben. 13Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen. 14Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

21Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der Herr zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich. 22Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. 23Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Reiter, mitten ins Meer. 28Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Reiter, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrigblieb. 30So errettete der Herr an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand.

20Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. 21Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.

 

PREDIGT

Liebe Gemeinde,

es ist ein eigenartig anmutender Text, der uns für das diesjährige Osterfest vorge-geben ist. Im Kern geht es an Ostern doch um Jesus und dass er am dritten Tag das Grab verlassen hat. Er ist auferstanden und er lebt. Und jetzt geht es heute um einen Text, in dem zum einen von der Armee Ägyptens die Rede ist, die im Roten Meer ertrank, und zum andern von den Israeliten, die das rettende Ufer erreicht haben und so aus der Hand der Ägypter befreit wurden. 

Auf den ersten Blick hat das zunächst nicht sehr viel mit Ostern zu tun. Doch wenn man etwas genauer hinschaut, entdeckt man eine Menge Zusammenhänge. Der wohl wichtigste ist das Passafest, jenes Fest, das das Volk Israel bis auf den heutigen Tag feiert. Im Mittelpunkt des Passafestes steht der Auszug aus Ägypten. Ein Befreiungsfest Israels mit Siegesjubel und viel Dank Gott gegenüber, dass er durch Mose sein Volk aus der Sklaverei Ägyptens gerettet und in das verheißene Land geführt hat. 

Eben dieses Passafest hat Jesus am Vorabend seiner Hinrichtung zusammen mit seinen Jüngern gefeiert…, ein Befreiungsfest der besonderen Art. Jesus hat ihnen die Füße gewaschen und Brot und Wein gereicht. Passa und Ostern, das sehen wir jetzt schon, gehören untrennbar zusammen.

Doch es gibt noch weitere Zusammenhänge zwischen unserem atl. Predigttext und der Ostergeschichte. Drei möchte ich kurz herausgreifen.

Es beginnt mit dem Murren des Volkes. Die Israeliten beklagen sich bei Mose und sprachen: Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? 12Haben wir‘s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.

Typisch Mensch. Man sollte nicht denken, dass diese Leute, die sich bei Mose beschweren, gerade noch im mörderischen Sklavendienst des Pharaos standen. Über Jahre und Jahrzehnte haben sie geklagt und gebetet, dass Gott sie aus dieser Hölle auf Erden rausholt…, und nun waren sie draußen…, haben die 10 Plagen überstanden, haben das Passa gefeiert, hatten die Verheißung auf ein Land, in dem Milch und Honig fließen würden…, und nun dies. Bei dem, der sie herausgeführt hat, beschwerten sie sich, sie wollten zurück, dorthin, wo sie herkamen: 12Haben wir‘s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen?

Typisch Mensch, er kann sich sogar an die Sklaverei gewöhnen. Der Sklavendienst mag zwar nicht schön gewesen sein, aber im Lauf der Jahre wurde er so vertraut, dass man lieber den vertrauten Sklavendienst wählt, als die ungewisse Freiheit, die Gott anbietet. Der Mensch liebt das Vertraute, selbst wenn es Sklaverei bedeutet. Die Israeliten sehnten sich mehr nach den Fleischtöpfen Ägyptens, die es gar nicht gab, als nach dem Himmels-Manna in der Wüste. Unglaublich!

Heute, 3400 Jahre später, ist das nicht viel anders. Der Mensch ist immer noch derselbe. Für uns heute geht es nicht mehr um den Sklavendienst unter einem ägyptischen Pharao, sondern um den Sklavendienst unter der Herrschaft der Sünde. Manch einer von uns hat durch den Glauben eine Befreiung erlebt…, frei von Jähzorn, von Gewalt, von Neid, von Hass, von Alkohol oder Drogen, von zerstörerischem Gedankengut…, frei von Egoismus oder dem Tanz ums goldene Kalb. Wir haben die Freiheit des Glaubens geschmeckt…, doch immer wieder zieht es uns zurück…, zur Sünde…, in die Sklaverei…, wo eine andere Macht mich bestimmt…, dorthin, wovon wir einstaufgebrochen waren. Lass uns in Ruhe, so haben die Israeliten damals gesprochen, wir wollen den Ägyptern dienen? Zurück nach Ägypten…, zurück ins alte Leben, zurück unter die Herrschaft der Sünde…! So ist der Mensch! Zurück ins alte Leben, weil es vertraut ist…, und überhaupt, so schlecht war es doch gar nicht! Ausreden gibt es eine ganze Menge. Immer wieder stehen wir in der Gefahr uns in die Sklaverei zu begeben…, eine andere Herrschaft zu wählen, als die unter Jesus…, Dinge zu tun, die wir immer schon so gemacht haben, vielleicht auch schon die Eltern oder Großeltern…, ohne zu fragen, ob dies vor Gott so in Ordnung ist. Eigentlich wissen wir es besser, aber wir tun es nicht und mit der Zeit glauben wir es auch nicht. 

Diese Denkrichtung ist für unseren Glauben wie ein tödliches Virus. - Schon damals, beim Auszug aus Ägypten, war der Mensch wankelmütig: Mal begeistert von Gott, mal wieder rückfällig, mal dankbar, mal undankbar.

Die Menschen damals hätten es allein nie geschafft. Deshalb 13…sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird. 14Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein

Der Herr wird für euch streiten…, was für ein wunderbares Wort. Obwohl die Israeliten murrten und alles andere als Glauben und Gottvertrauen ausstrahlten, Gott hat sie ein weiteres Mal aus der Hand der Ägypter befreit. Nicht weil die Israeliten so fromm waren, sondern weil Er so gnädig ist. Es gehört zum Wesen Gottes, dass Er die Seinen aus der Herrschaft fremder Mächte herausführt…, immer und immer wieder. - Gott sei Dank!! 

An Karfreitag und Ostern war das nicht viel anders. Die Jünger haben Jesus in dessen schwerster Phase nicht gerade glaubensvoll zur Seite gestanden: Einer hat ihn verleugnet, einer verraten, die anderen sind bei seiner Verhaftung geflohen. Jeder war bemüht seine eigene Haut zu retten. Und die Schriftgelehrten, die aus der heiligen Schrift eigentlich hätten wissen müssen, wie der Messias sein wird, sie wussten zwar viel, fürchteten jedoch um ihre Macht und ihren Einfluss. Jesus musste weg, so sagten sie.  - Und das Volk…? - um derentwillen Jesus bereit war zu sterben, sie sangen nicht mehr Hosianna, wie am Palmsonntag, sondern sie schrien „ Kreuzige ihn!“ – So schnell geht das. So ist der Mensch. So waren sie damals, so sind sie heute noch…, auch wir.

Der Herr wird für euch streiten… - solches geschah nicht nur damals am Schilfmeer, als die Armee des Pharaos die Israeliten zurückholen wollte…, sondern das geschah auch an Karfreitag und Ostern. Der Herr selbst ergriff die Initiative. An Karfreitag und Ostern hatten nicht die Römer und auch nicht die Schriftgelehrten das Heft in der Hand, sondern der Vater im Himmel. Wie lernen es unsere Konfirmanden? „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingab…“ – der Vater war es, nicht Pilatus und auch nicht Herodes, der Vater im Himmel war es, der an Karfreitag und Ostern aktiv war. Er hat die Welt geliebt…, er hat sich über die Menschen mit ihrem Jähzorn und ihren vielen goldenen Kälbern erbarmt… und er war es, der seinen Sohn dahingegeben hat. Jesus war das Lamm Gottes, das unsere Sünde getragen hat. Nicht, weil wir es verdient hätten, sondern weil Gott Gnade vor Recht ergehen ließ. Nicht wir haben um unser Heil gekämpft, sondern der Herr hat für uns gestritten…, damals am Kreuz. Karfreitag und Ostern, Gott hat für uns gestritten…, und wir…, wir haben Teil an seinem Sieg.

Und zuletzt, wenn wir nochmal zu unserem Predigttext zurückkehren…, zuletzt, als das Heer des Pharaos in den Fluten des Schilfmeers unterging, da erschall ein erstes Siegeslied: 20Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. 21Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben …  

Das muss man sich mal konkret vorstellen. Die Israeliten waren immer noch in der Wüste, vor ihnen ein unbekannter Weg, hinter ihnen war das aufgewühlte Meer, das zum nassen Grab für Viele wurde. In dieser Situation ergriff die prophetisch begabte Mirjam eine Pauke und sang ein Lied. Es war nicht einfach nur ein Danklied, in welchem sie sich artig bei Gott bedankte, dass sie lebend aus diesem Meer herauskamen, sondern sie nahm Gott in den Blick und sagte prophetisch: Er ist hoch erhaben. 21Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben …

Die menschlichen Augen haben damals nur die Wüste und das Meer gesehen, Mirjam sah den Herrn, hoch erhaben. Eine Prophetin. Unsere normalen menschlichen Augen sehen immer nur einen Teil…, an Weihnachten sehen sie das ärmliche Kind in der Krippe, andere sahen den König der Juden, und knieten nieder und beteten an. An Karfreitag sehen normale Augen nur das blutige Kreuz, andere, wie der römische Hauptmann, erkannten: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn. Und an Ostern sehen normale menschliche Augen nur das leere Grab oder einen Gärtner, andere erkannten den Herrn, z.B. die Emmaus-Jünger…

Hoch erhaben ist der Herr. Nicht nur auferstanden, das natürlich auch, sondern er ist erhaben, er ist der Regent..., der Herrscher! Nicht mehr die Sklaverei der Sünde diktiert unser Leben, sondern der auferstandene Jesus.

Und wir…, wir sollen es der Mirjam nachmachen: Wir sollen ein Siegeslied nach dem andern singen. Die Welt soll es aus unserem Munde hören, dass die Macht von Sünd & Tod, von Hölle & Teufel, besiegt ist. Wir Christen sollen, wie Mirjam auch, der Welt vorsingen, dass Ostern kein Frühlingsfest, sondern ein Siegesfest ist. Egal wie die Welt auch aussieht, egal was unsere Augen sehen und unser Kopf sich denkt: Der Herr ist hoch erhaben…, auf dem Herrscherstuhl sitzt Jesus, kein Mensch, kein Virus, keine Nation, sondern unser Herr. Das glauben wir, daran halten wir fest, davon reden und davon singen wir. Laut und deutlich! - Amen!